SOMMERLICHT

LEO PUTZ UND DIE SCHOLLE
WERKE AUS DER SAMMLUNG UNTERBERGER 

14. April bis 21. Oktober 2018 

München in der Prinzregentenzeit um 1900: Der Kunstbetrieb ist geprägt von zwei gegensätzlichen Polen. Einem dominierenden, historisierenden Kunstverständnis an den Akademien einerseits und einer alle Lebensbereiche umfassenden Aufbruchsstimmung in der Künstlerschaft andererseits. In München wie in zahlreichen anderen europäischen Kunstzentren formieren sich künstlerische Strömungen, die gegen die offizielle Kunstpolitik rebellieren. Die Sezessionisten fordern nicht nur den Bruch mit den alten malerischen Konventionen, sondern sie lehnen sich auch gegen das streng reglementierte Ausstellungswesen auf.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich Leo Putz (1869-1940), der bereits als 16-jähriger von Tirol in die bayrische Landeshauptstadt kam. Nach der Ausbildung, die ihn u.a. nach Paris an die Académie Julian führte, stellte der junge Künstler in der Münchener Secession aus, feierte erste Erfolge und verursachte mit seinen mitunter frivolen, provokanten Gemälden größere und kleinere Skandale.

Leo Putz, Am Morgen, 1915

Putz trat 1903 der Künstlervereinigung "Scholle" bei, die vier Jahre zuvor von befreundeten Künstlern mit dem Ziel gegründet worden war, neue, von konservativen Juroren unabhängige Ausstellungsmöglichkeiten zu erschließen. Die Scholle war eine Vereinigung ohne starres künstlerisches Statut. Gemeinsam war den 12 Mitgliedern eine vom Jugendstil und Impressionismus gleichermaßen beeinflusste naturalistische Kunstauffassung. Berühmt wurden sie insbesondere mit ihren Darstellungen von Frauen in der Natur, die durch die populäre Zeitschrift "Jugend" weite Verbreitung fanden. In diesen Bildern entfaltet sich gerade bei Leo Putz das kraftvolle Farbenspiel und die verfeinerte Sinnlichkeit seiner Malerei zu größter Wirkung. Putz, der die Mechanismen des Kunstmarktes verstand und geschickt für den eigenen Erfolg zu nutzen wusste, gilt bis heute als der wichtigste Vertreter der Künstlergruppe.

Die Ausstellung SOMMERLICHT stellt Leo Putz und die Künstlergemeinschaft Scholle in einem selten gesehenen Umfang vor. Auf drei Stockwerken werden rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus der Sammlung Siegfried Unterberger präsentiert - darunter zahlreiche Hauptwerke von Leo Putz sowie Arbeiten der weiteren Scholle-Mitglieder Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Erich und Fritz Erler, Max Feldbauer, Walter Georgi, Adolf Höfer, Adolf Münzer, Walter Püttner, Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise.

Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog mit Beiträgen von Bettina Best und Anja Dittrich (ISBN: 978-3-944685-08-3) erschienen.

Leo Putz, Im Kahn, um 1911
Die Sammlung Siegfried Unterberger

Siegfried Unterberger, 1941 in Brixen geboren, sammelt seit mehreren Jahrzehnten Tiroler und Münchner Kunst des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Besonders bekannt ist die hochrangige Leo Putz-Sammlung des seit 1969 in Meran tätigen Unternehmers. Mit großer Begeisterung und Kennerschaft spürt er jedes seiner Liebhaberstücke auf, ermöglicht und veranstaltet Ausstellungen und fördert Publikationen sowie Forschungsprojekte.

 

Bildausschnitt (oben links): Leo Putz, Am Ufer, um 1909

© Sammlung Siegfried Unterberger

Leo Putz, Dame in Blau, 1908
Leo Putz, Morgensonne II, undatiert