SCHARFBLICK

Neusachliche Werke aus der Sammlung Brabant
16. Juli bis 16. Oktober 2016


Nach dem Ersten Weltkrieg war in Deutschland der ekstatische Rausch expressionistischer Farben und Formen im Werk vieler Künstlerinnen und Künstler verflogen. Die Zeit erforderte eine realistische, kühl distanzierte und zeichnerisch klare Bildsprache - eine "Neue Sachlichkeit". Diese neue Kunst blickte der Realität ohne Sentimentalität und mit bisweilen bissiger Ironie und pointierter Gesellschaftskritik ins Gesicht.

Die Ausstellung "SCHARFBLICK" geht diesem Wandel nach. Mehr als 130 Arbeiten u. a. von Otto Dix, George Grosz, Jeanne Mammen, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Georg Schrimpf zeugen von der engen Verflechtung der Kunst mit der Zeit ihrer Entstehung. Sie zeigen ungeschönt die Folgen des Ersten Weltkriegs: Eine Gesellschaft, die von scharfen Gegensätzen gekennzeichnet ist, und die den Glanz des nächtlichen Großstadtlebens mit Varieté, Lichtspiel- und Caféhäusern ebenso kennt wie die Schattengestalten, Halbweltdamen und Randexistenzen. Denn die als "golden" bezeichneten 1920er Jahre bedeuteten für den Großteil der Bevölkerung vor allem eines: Armut, Arbeitslosigkeit und Elend.

Die Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus der Sammlung Brabant werfen Schlaglichter auf eine spannungsreiche Zeit, in der sich eine Pluralität von Lebens- und Gesellschaftsentwürfen entwickelte, und die mit dem Nationalsozialismus ein jähes Ende fand. Die Präsentation in Schloss Achberg ermöglicht es zudem, verschiedene Ausprägungen innerhalb der Neuen Sachlichkeit zu entdecken und bekannte Positionen im damaligen künstlerischen Umfeld in neuer Weise zu erschließen sowie bislang nahezu unbekannte Künstler von ausgezeichneter Qualität zu entdecken.

Georg Scholz, Zeitungsträger, 1921

Die Sammlung Brabant

Der Wiesbadener Kunstsammler Frank Brabant hat mit untrüglichem Gespür für künstlerische Qualität und großer Beharrlichkeit eine umfangreiche Kollektion mit Gemälden und grafischen Arbeiten vor allem des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit aufgebaut. Die Sammlung vereint Arbeiten berühmter Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts mit Werken weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler der "Verschollenen Generation". Sie zählt ob ihrer stilistischen Vielfalt heute zu den bedeutenden deutschen Privatsammlungen moderner Kunst.

 

ABBILDUNG OBEN LINKS: 

Franz Radziwill, Der Winterapfel, 1952
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ulrich Neujahr, Tatjana Magid-Riester, 1928