Der "Herzog von Achberg“

Achberg ist im 19. Jahrhundert eine der südlichsten Exklaven Preußens. Im Deutschen Krieg 1866 wird Achberg von Mitgliedern des Liederkranzes aus dem nur 10 Kilometer entfernt liegenden bayerischen Lindau unter Führung von Rechtsanwalt Hermann Beckh im Handstreich erobert: Die Sänger spazieren in den Hauptort der Herrschaft Achberg (im heutigen Esseratsweiler), besetzen das dortige Wirtshaus, schießen einige Male in die Luft und tauschen wild entschlossen die preußischen durch die bayerischen Herrschaftszeichen aus. 
Der eigentümliche Eroberungszug gipfelt in einem Umtrunk der Einheimischen mit den "Besatzern" und auch das gerichtliche Nachspiel geht für die bayerischen Sangespatrioten rund um den seitdem als „Herzog von Achberg“ titulierten Hermann Beckh glimpflich aus. 

 

Die „Schwestern“ der Deutschordensherren

Die kleine Herrschaft Achberg wurde als Verwaltungseinheit des Deutschen Ordens regelmäßig kontrolliert. In den überlieferten Visitationsakten des 18. Jahrhunderts wird dabei auch genau auf die sittlichen und moralischen Verhältnisse in Achberg eingegangen: Geradezu ein Dauerbrenner ist das Fahnden nach verdächtigen „Weibspersonen“. Besonders amüsant liest sich in einem Archiv-Protokoll der handschriftliche Vermerk, dass die Schlossbewohner die „Weibspersonen“ nicht schon wieder als "eigene Schwestern" und "nahe Verwandte" ausgeben sollen, weil ihnen das ohnehin niemand glauben würde.

 

Bauliche Skurrilitäten

Die Schlosskapelle

Achberg ist in mancherlei Hinsicht ein Schloss en miniature. Die in das Schloss integrierte Kapelle weist einen so genannten Beichtschlitz auf, der in der daneben befindlichen Sakristei in einem Wandschrank geöffnet werden kann. 

Die Rittersaaldecke

Der Rittersaal mit seiner prächtigen, 30 Tonnen schweren Stuckdecke wird in den Ecken von vier Schützen geziert, die auf einen gemeinsamen Punkt in der Mitte des Raumes zielen. Die Schützen  - darunter ein osmanischer Krieger - verweisen auf die Siege des Deutschen Ordens gegen die Türken am Ende des 17. Jahrhunderts und lassen beim einen oder anderen in der Raummitte sitzenden Konzertbesucher beim Blick in den Gewehrlauf noch heute ein leicht mulmiges Gefühl aufkommen. 


Zweigeteilt im Leben und im Tod

Franz Benedikt von Baden, Landkomtur des Deutschen Ordens und ba-rocker Bauherr von Schloss Achberg, schätzte „sein“ Schloss Achberg so sehr, dass er mehr Zeit in Achberg als in der Ordensresidenz Altshausen verbrachte und im Jahr 1707 auch in Achberg verstarb. Auf seinen Wunsch hin wurde er nicht in Altshausen, sondern im nahe gelegenen Siberats-weiler bestattet – alten Traditionen folgend wurde jedoch der Leichnam geöffnet und das entnommene Herz in der Gruft der Landkomture in Alts-hausen bestattet. Er war also im Leben wie im Tode zwischen Achberg und Altshausen entzwei gerissen.

 

Die Gemeinde der sieben Zuständigkeiten

Die Gemeinde Achberg wird aufgrund der Verbindung mit Hohenzollern nach dem Zweiten Weltkrieg administrativ als Exklave dem Landkreis Sigmaringen zugeordnet. Dieses Kuriosum führt dazu, dass für rund zwei Jahrzehnte Achberg zur „Gemeinde der sieben Zuständigkeiten“ wird. Je nach Amtsbegehren mussten sich Achberger Bürger entweder nach Sig-maringen, Tettnang, Freiburg, Hechingen, Lindau, Ravensburg oder Wangen wenden.