Lesser Ury - Stadt Land Licht

31.07.–24.10.2021

Wie ein roter Faden durchziehen bestimmte Motive die Bildwelt Lesser Urys (1861-1931). Ansichten von Großstädten, menschenleere Landschaften und seine besondere Behandlung des Lichts zeichnen das Werk des Berliner Künstlers aus. Auch wenn er auf den ersten Blick die künstlerischen Konventionen seiner Zeit zu bedienen scheint, setzt er ihnen doch eine eigene Position entgegen.

Lesser Ury formuliert in seinen Bildern immer wieder Gegensätze und Widersprüche. Er arbeitet in und mit der Natur, selbst in den Darstellungen städtischer Szenen in Berlin, London oder Rom. Er ist ein Individualist, der zu Lebzeiten unter den Kollegen und Kritikern nur schwer Zugang zu den führenden Kreisen findet und erst spät in die Berliner Secession aufgenommen wird. Denn seine künstlerische Herangehensweise an Motive und Gestaltung bedient zwar die Sehgewohnheiten seiner Zeitgenossen, um sie aber im nächsten Moment wieder in Frage zu stellen. Er sondert sich ab – als Künstler und als Person. Er gilt als eigenwillig und wenig umgänglich. Dennoch findet er einige Mäzene und Weggefährten, die ihn unterstützen, fördern und seinen späten Ruhm begründen.

Motivische Anregungen erhält Lesser Ury auf zahlreichen Reisen durch die Metropolen und Landschaften Europas. Schon während seiner künstlerischen Ausbildung zeichnet sich der Unruhegeist ab – nirgends macht er länger Station: In Düsseldorf, Brüssel, Paris, München, Berlin und Rom findet er Inspirationen. Im Umland von Berlin, der Mark Brandenburg, in Thüringen, am Gardasee und Holland studiert er intensiv die Natur und arbeitet die jeweiligen Charakteristika heraus.

Lesser Ury, Waterloo-Brücke bei durchbrechender Sonne, 1926 | Privatbesitz | Foto Heinz Pelz

Mit seinen Gemälden und Pastellen schafft Lesser Ury Stimmungsbilder, die über die reine Beobachtung des Gesehenen hinausgehen. Ihm gelingt über die Komposition und die Lichtgestaltung Unsichtbares zum Vorschein zu bringen. Regen­nasse Straßen sind dabei ebenso eindrücklich wie finstere Wälder. Die tiefschwarze Nacht Berlins fasziniert auf gleiche Weise wie die leuchtenden Farben in einer holländischen Landschaft. Auch seine Beobachtungsgabe für Menschen zeichnet Lesser Ury aus. Gäste in Kaffeehäusern sitzen oft einzeln, in ihre Lektüre vertieft, nach anderen Gästen Ausschau haltend oder genüsslich rauchend. Passanten auf den Straßen sind hingegen meist in kleinen Gruppen hastend unterwegs. Flaneure im Berlinischen Tiergarten genießen die Natur inmitten der Stadt und kosten diese Momente des Innehaltens aus. Immer wieder lädt Ury dazu ein, sich auf die jeweilige Szenerie neu einzulassen.

In Schloss Achberg werden rund 100 Gemälde, Pastelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus öffentlichem und privatem Besitz zusammengeführt. Sie sind in dieser Konstellation erstmals auch mit einer Wirkungsgeschichte Lesser Urys verknüpft und zeigen, auf welche Weise der Künstler Andere zu ganz unterschiedlichen Werken inspirieren konnte und bis heute kann. Es ist eine Form von Wertschätzung, die sein Schaffen neu verortet.

Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Barbara Wagner und ist eine Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin. 

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog mit Beiträgen von Regine Buxtorf, Tanya Ury, Barbara Wagner und Sofija Živković (106 S., 18,- €, ISBN: 978-3-944685-10-6). Bei einer Bestellung im Shop kostet der Katalog 18 €, zzgl. 3,75 Versand.

Martha Stettler – Eine Schweizer Impressionistin in Paris

17.04.–18.07.2021

 »[…] keck in den Farben und markant im Ausdruck der Technik. […] hier haben wir es sicherlich mit einem starken Talent zu tun.«

Nach der Retrospektive in Bern 2018, die das Werk von Martha Stettler (1870-1945) als Wiederentdeckung feierte, wird nun auf Schloss Achberg zum ersten Mal das Œuvre der Künstlerin dem deutschen Publikum präsentiert. Die Ausstellung vermittelt einen Einblick einerseits in das Werk einer Malerin, die von der Kunstgeschichtsschreibung bislang wenig beachtet wurde, andererseits in ein Stück Frauengeschichte Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts.

Martha Stettler, Les petits bâteaux, um 1908 | R. + P. Grisard-Operschall

Im Fokus der Ausstellung stehen Martha Stettlers impressionistische Darstellungen, die in Paris entstanden sind. Ihr Werk zeugt von großer künstlerischer Qualität und besitzt eine bemerkenswerte koloristische Kraft. Die Malerin liebte Freilichtszenen, in denen der Jardin du Luxembourg, die Tuilerien-Gärten und der Schlosspark von Versailles die bevorzugten Schauplätze sind. Meist schaut sie in den Freilichtszenen von erhöhtem Standpunkt auf die in ihr Spiel versunkenen Kinder und die begleitenden Erwachsenen, setzt das Spiel von Licht und Schatten in rhythmische Akzente. Die dargestellten Personen werden so miteinander in Verbindung gesetzt, dass innerbildliche Geschichten entstehen.

Martha Stettler stammte aus einer Kunst-affinen Bernburger-Familie. Nach der ersten Ausbildung in der Schweiz fuhr die junge Frau 1893 mit ihrer baltischen Lebenspartnerin, der Malerin Alice Dannenberg (1861-1949), nach Paris, um ihre Ausbildung fortzusetzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Obwohl Stettler als Frau nicht dieselben Ausbildungschancen wie ihre männlichen Kollegen erhielt, setzte sie sich erfolgreich durch und nahm rege am Kunstbetrieb teil. Sie erzielte auf internationalen Ausstellungen namhafte Auszeichnungen, so 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel oder 1913 auf der XI. Internationalen Kunstausstellung in München. 

1904 war Stettler Mitbegründerin der renommierten Académie de la Grande Chaumière, zu deren Schülern u.a. Alberto Giacometti und Louise Bourgeois gehörten. Ab 1909 übernahm sie in Paris die Leitung und entwickelte sie 40 Jahre erfolgreich weiter. Stettler pflegte zeitlebens die Verbindung zur Schweiz, insbesondere zu Bern. Jährlich besuchte sie für Familienbesuche und Malaufenthalte in den Alpen ihre Heimatstadt. Daneben bereiste sie Europa und kam immer mit neuen Bildideen nach Paris zurück.

Ihr Vater und großer Förderer war der Architekt Eugen Stettler (1840–1913). Er war selbst ein virtuoser Aquarellist, eine Begabung, die er an seine Tochter weitergab. Zum ersten Mal werden auf Schloss Achberg Aquarelle und Zeichnungen des Vaters der Öffentlichkeit präsentiert.

Die von Dr. Corinne Linda Sotzek kuratierte Ausstellung wird ermöglicht dank großzügiger Unterstützung zahlreicher öffentlicher und privater Leihgeber, insbesondere durch den Nachlass Martha Stettler und das Kunstmuseum Bern. Die Ausstellung „Martha Stettler“ wird finanziell gefördert durch die Stiftung Pro Helvetia, die Burgergemeinde Bern und die Ursula Wirz-Stiftung.

Zur Ausstellung sind eine Broschüre und ein Mitmachheft für Kinder erschienen. Bei einem Ausstellungsbesuch sind die Broschüre und das Mitmacheft kostenlos. Bei einer Bestellung der Broschüre im Shop kostet sie 2 € (Schutzgebühr, zzgl. Versand).

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Begrüßungsvideo der Kuratorin Dr. Corinne Linda Sotzek zur Ausstellung “Martha Stettler – Eine Schweizer Impressionistin in Paris”, die bis zum 18. Juli 2021 zu sehen ist.