Martha Stettler – Eine Schweizer Impressionistin in Paris

17.04.–18.07.2021

 »[…] keck in den Farben und markant im Ausdruck der Technik. […] hier haben wir es sicherlich mit einem starken Talent zu tun.«

Nach der Retrospektive in Bern 2018, die das Werk von Martha Stettler (1870-1945) als Wiederentdeckung feierte, wird nun auf Schloss Achberg zum ersten Mal das Œuvre der Künstlerin dem deutschen Publikum präsentiert. Die Ausstellung vermittelt einen Einblick einerseits in das Werk einer Malerin, die von der Kunstgeschichtsschreibung bislang wenig beachtet wurde, andererseits in ein Stück Frauengeschichte Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts.

Martha Stettler, Les petits bâteaux, um 1908 | R. + P. Grisard-Operschall

Im Fokus der Ausstellung stehen Martha Stettlers impressionistische Darstellungen, die in Paris entstanden sind. Ihr Werk zeugt von großer künstlerischer Qualität und besitzt eine bemerkenswerte koloristische Kraft. Die Malerin liebte Freilichtszenen, in denen der Jardin du Luxembourg, die Tuilerien-Gärten und der Schlosspark von Versailles die bevorzugten Schauplätze sind. Meist schaut sie in den Freilichtszenen von erhöhtem Standpunkt auf die in ihr Spiel versunkenen Kinder und die begleitenden Erwachsenen, setzt das Spiel von Licht und Schatten in rhythmische Akzente. Die dargestellten Personen werden so miteinander in Verbindung gesetzt, dass innerbildliche Geschichten entstehen.

Martha Stettler stammte aus einer Kunst-affinen Bernburger-Familie. Nach der ersten Ausbildung in der Schweiz fuhr die junge Frau 1893 mit ihrer baltischen Lebenspartnerin, der Malerin Alice Dannenberg (1861-1949), nach Paris, um ihre Ausbildung fortzusetzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Obwohl Stettler als Frau nicht dieselben Ausbildungschancen wie ihre männlichen Kollegen erhielt, setzte sie sich erfolgreich durch und nahm rege am Kunstbetrieb teil. Sie erzielte auf internationalen Ausstellungen namhafte Auszeichnungen, so 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel oder 1913 auf der XI. Internationalen Kunstausstellung in München. 

1904 war Stettler Mitbegründerin der renommierten Académie de la Grande Chaumière, zu deren Schülern u.a. Alberto Giacometti und Louise Bourgeois gehörten. Ab 1909 übernahm sie in Paris die Leitung und entwickelte sie 40 Jahre erfolgreich weiter. Stettler pflegte zeitlebens die Verbindung zur Schweiz, insbesondere zu Bern. Jährlich besuchte sie für Familienbesuche und Malaufenthalte in den Alpen ihre Heimatstadt. Daneben bereiste sie Europa und kam immer mit neuen Bildideen nach Paris zurück.

Ihr Vater und großer Förderer war der Architekt Eugen Stettler (1840–1913). Er war selbst ein virtuoser Aquarellist, eine Begabung, die er an seine Tochter weitergab. Zum ersten Mal werden auf Schloss Achberg Aquarelle und Zeichnungen des Vaters der Öffentlichkeit präsentiert.

Die von Dr. Corinne Linda Sotzek kuratierte Ausstellung wird ermöglicht dank großzügiger Unterstützung zahlreicher öffentlicher und privater Leihgeber, insbesondere durch den Nachlass Martha Stettler und das Kunstmuseum Bern. Die Ausstellung „Martha Stettler“ wird finanziell gefördert durch die Stiftung Pro Helvetia, die Burgergemeinde Bern und die Ursula Wirz-Stiftung.

Zur Ausstellung sind eine Broschüre und ein Mitmachheft für Kinder erschienen. Bei einem Ausstellungsbesuch sind die Broschüre und das Mitmacheft kostenlos. Bei einer Bestellung der Broschüre im Shop kostet sie 2 € (Schutzgebühr, zzgl. Versand).

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Begrüßungsvideo der Kuratorin Dr. Corinne Linda Sotzek zur Ausstellung “Martha Stettler – Eine Schweizer Impressionistin in Paris”, die bis zum 18. Juli 2021 zu sehen ist.